Mensch und Kirche

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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 13:18 
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Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion. Du denkst vermutlich an die ACNA. Doch die (nicht nur theoretisch, wie die CoE) größten, blühenden Gliedkirchen (wie auch kleinere Gliedkirchen) der Anglican Communion erkennen sie als eine authentische anglikanische Kirche an, sie wird auch von Canterbury ernstgenommen. Außerdem ist ihr die theologische Überzeugung viel wichtiger als die kirchliche Diplomatie und - an und für sich - der von Dir erwähnte Tisch.


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 18:02 
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John Der Echte

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Péter hat geschrieben:
Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion. Du denkst vermutlich an die ACNA. Doch die (nicht nur theoretisch, wie die CoE) größten, blühenden Gliedkirchen (wie auch kleinere Gliedkirchen) der Anglican Communion erkennen sie als eine authentische anglikanische Kirche an, sie wird auch von Canterbury ernstgenommen. Außerdem ist ihr die theologische Überzeugung viel wichtiger als die kirchliche Diplomatie und - an und für sich - der von Dir erwähnte Tisch.


Das jedenfalls müssen sie behaupten, da sie gegen alle kirchenrechtlichen Regeln verstoßen, um ihre 'Mission' in den Ländern auszubreiten, in denen sie keine jurisdiktionellen Rechte haben. Einen Bischof für Europa zu weihen, der dann in anderen Ländern bischöfliche Aufgaben wahrnimmt, ohne mit den Ortsbischöfen zu sprechen, ist ein aggressiver Akt und gleicht einer Invasion. Das ganze wird - natürlich - geistlich begründet und theologisch kaschiert.

Peter, mein Eindruck ist, dass Du deren Propaganda einfach zu kritiklos übernimmst und für bare Münze nimmst.


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 18:59 
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techAdmin

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Péter hat geschrieben:
Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion.


Für mich als Sekundär-Anglikaner sind sie das nicht. Ganz im Gegenteil: Sie behaupten, dass die regulären anglikanischen Kirchen keine wirklichen christlichen Kirchen mehr sind, weil sie angeblich die Leitlinien der Bibel aufgegeben hätten. Abgesehen davon, dass das eine evangelikale Formulierung ist und veränderliche Traditionen außer Acht lässt, ist es eine absolute Impertinenz, zu behaupten, man "gehöre dazu", und gleichzeitig den anderen den korrekten Glauben abzusprechen.

Wer die fundamentale Grundlage der Anglikanischen Gemeinschaft - nämlich den Grundsatz, dass man den anderen Kirchen nicht den richtigen Glauben abspricht, auch wenn diese etwas anders leben, so dermaßen missachtet, hat sich selber neben die anglikanische Gemeinschaft gestellt und ist nichts anderes als ein billiger Proselytenmacher.

Dagegen gibt es keine Gesetze - das ist nicht verboten - aber es ist mehr als eindeutig, dass das gemeinsame Tischtuch nicht nur zerschnitten, sondern in kleinste Stückchen gehäckselt wird.

Da kann ich mich nur noch angewidert abwenden.


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 19:35 
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Lothar1962 hat geschrieben:
Péter hat geschrieben:
Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion.


Für mich als Sekundär-Anglikaner sind sie das nicht. Ganz im Gegenteil: Sie behaupten, dass die regulären anglikanischen Kirchen keine wirklichen christlichen Kirchen mehr sind, weil sie angeblich die Leitlinien der Bibel aufgegeben hätten. Abgesehen davon, dass das eine evangelikale Formulierung ist und veränderliche Traditionen außer Acht lässt, ist es eine absolute Impertinenz, zu behaupten, man "gehöre dazu", und gleichzeitig den anderen den korrekten Glauben abzusprechen.

Wer die fundamentale Grundlage der Anglikanischen Gemeinschaft - nämlich den Grundsatz, dass man den anderen Kirchen nicht den richtigen Glauben abspricht, auch wenn diese etwas anders leben, so dermaßen missachtet, hat sich selber neben die anglikanische Gemeinschaft gestellt und ist nichts anderes als ein billiger Proselytenmacher.

Dagegen gibt es keine Gesetze - das ist nicht verboten - aber es ist mehr als eindeutig, dass das gemeinsame Tischtuch nicht nur zerschnitten, sondern in kleinste Stückchen gehäckselt wird.

Da kann ich mich nur noch angewidert abwenden.


???


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 19:47 
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JHNewman hat geschrieben:
Péter hat geschrieben:
Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion. Du denkst vermutlich an die ACNA. Doch die (nicht nur theoretisch, wie die CoE) größten, blühenden Gliedkirchen (wie auch kleinere Gliedkirchen) der Anglican Communion erkennen sie als eine authentische anglikanische Kirche an, sie wird auch von Canterbury ernstgenommen. Außerdem ist ihr die theologische Überzeugung viel wichtiger als die kirchliche Diplomatie und - an und für sich - der von Dir erwähnte Tisch.


Das jedenfalls müssen sie behaupten, da sie gegen alle kirchenrechtlichen Regeln verstoßen, um ihre 'Mission' in den Ländern auszubreiten, in denen sie keine jurisdiktionellen Rechte haben. Einen Bischof für Europa zu weihen, der dann in anderen Ländern bischöfliche Aufgaben wahrnimmt, ohne mit den Ortsbischöfen zu sprechen, ist ein aggressiver Akt und gleicht einer Invasion. Das ganze wird - natürlich - geistlich begründet und theologisch kaschiert.

Peter, mein Eindruck ist, dass Du deren Propaganda einfach zu kritiklos übernimmst und für bare Münze nimmst.


Seit wann ist das Kirchenrecht wichtiger als die Lehre? Und das kontinentale Europa ist in diesem Kontext sowieso "frei", die hiesigen angl. Jurisdiktionen (CoE und TEC) sind - wie ich das gelesen habe - keine territorialen Diözesen im Sinne der Bistümer in England und den Vereinigten Staaten (zumindest nicht in erster Linie), sondern eher Personalbistümer.

Nein, John, ich werde immer kritischer (Kirche light, weder Fleisch noch Fisch-Gemeinschaften - das ist eine Sackgasse), eben deshalb kann ich diese Initiative verstehen.


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 20:02 
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Zitat:
Seit wann ist das Kirchenrecht wichtiger als die Lehre?


Aber ist es nicht so das keine Lehre sich über eine andere erheben darf?
Das tun nur radikale Gruppen. Und auch wennihch wenig von dem Angilakerzwist verstehe, ich verstehe dass genau das bei der aktuellen Spaltung passiert.

Kann man denn nicht trotz unterschiedlicher Auffassungen im selben haus wohnen? Muss man sich unbedingt ein neues Haus bauen und auf Missions-kaperfahrt gehen? Gibt es nicht schon genug Spaltereien?

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Zeig Dich, nur ein bisschen, dass ich gehen kann....


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 20:37 
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Rheinmaus hat geschrieben:
Zitat:
Seit wann ist das Kirchenrecht wichtiger als die Lehre?


Aber ist es nicht so das keine Lehre sich über eine andere erheben darf?


Was verstehst Du darunter?


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 20:42 
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Lothar1962 hat geschrieben:
Péter hat geschrieben:
Die "GAFCONiten" - zumindest die überwiegende Mehrheit der GAFCON-Kirchen - sind gleichwertige Gliedkirchen der Anglican Communion.


Für mich als Sekundär-Anglikaner sind sie das nicht. Ganz im Gegenteil: Sie behaupten, dass die regulären anglikanischen Kirchen keine wirklichen christlichen Kirchen mehr sind, weil sie angeblich die Leitlinien der Bibel aufgegeben hätten. Abgesehen davon, dass das eine evangelikale Formulierung ist und veränderliche Traditionen außer Acht lässt, ist es eine absolute Impertinenz, zu behaupten, man "gehöre dazu", und gleichzeitig den anderen den korrekten Glauben abzusprechen.



In dieser gespannten Situation kann man leider auch sehr unglücklich formulierte Sätze hören und lesen. Und beide Seiten haben ihre hasserfüllten Extremisten.


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 20:51 
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Rheinmaus hat geschrieben:
Zitat:
Seit wann ist das Kirchenrecht wichtiger als die Lehre?

Kann man denn nicht trotz unterschiedlicher Auffassungen im selben haus wohnen? Muss man sich unbedingt ein neues Haus bauen und auf Missions-kaperfahrt gehen? Gibt es nicht schon genug Spaltereien?


Um klar zu sein: der Konsens innerhalb der Anglican Communion war - und ist - , dass die Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich ist. Die amerikanische Episkopalkirche, die kanadische AK und die schottische Episkopalkirche haben dagegen verstoßen. Wer hat hier dann die Spalterei verursacht? Interessanterweise stört diese Tatsache unsere Foranten nicht besonders. Nur die Reaktion auf den Verstoß...


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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 21:00 
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Keine spalterei. Ich bin wie Du weißt evangelisch, also soclcher auch noch in der hochschizphrenen badischen landeskirche, in der viele einander widersprechende Sichten aufeinandertreffen. Warum funktioniert es trotzdem? Weil deutlich gemacht wird, dass innerhalb eines gewisen, weit gefassten Rahmens, alles seinen Platz hat, auch das Gegensätzliche. Abspalten werden sich da immer nur die fundamentalen Gruppen, die einen engen Rahmen brauchen um zu überleben.

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BeitragVerfasst: 2. Juli 2017 22:29 
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John Der Echte

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Péter hat geschrieben:
Um klar zu sein: der Konsens innerhalb der Anglican Communion war - und ist - , dass die Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich ist. Die amerikanische Episkopalkirche, die kanadische AK und die schottische Episkopalkirche haben dagegen verstoßen. Wer hat hier dann die Spalterei verursacht? Interessanterweise stört diese Tatsache unsere Foranten nicht besonders. Nur die Reaktion auf den Verstoß...


Die Chronologie spielt eine Rolle. Der Bruch der ECUSA mit dem geltenden Konsens der AC geschah 2004. Seitdem gab es zahlreiche Versuche, diesen Bruch zu heilen. Die 'Instruments of Unity' der AC versuchten auf verschiedenen Ebenen, mit der Situation umzugehen. Die GAFCONiten zogen es aber vor, sich in größerer Zahl diesen Einigungsbemühungen zu entziehen und statt an der Lambeth Conference etwa teilzunehmen, eigene Konferenzen abzuhalten, auf denen man den Ausbau von Parallelstrukturen betrieb. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem weder die Church of England noch der Erzbischof von Canterbury irgendwelche Schritte unternommen hatten, den gemeinsamen Konsens von Lambeth 10 zu verlassen. Rowan Williams hat sogar ziemlich auf die Bremse getreten, um die Einheit der AC nicht zu gefährden (vgl. Fall Geoffrey John). Selbst wenn die GAFCONiten die Gemeinschaft mit der ECUSA hätten aufkündigen wollen, hätten sie immerhin mit Canterbury zusammentreffen können, um nach eine Lösung zu suchen....

Stattdessen zeigte sich im Laufe der Ereignisse immer mehr, dass die GAFCONiten die Auflösung des Konsens bezgl. der Ehe gar nicht abwarten wollten, bevor sie selbst aktiv wurden. Der erste europäische Missionsbischof aus dem Lager der GAFCONiten in Newcastle wurde in diesem Jahr geweiht. In England, nicht in Schottland, Kanada oder den USA. Zu einem Zeitpunkt - wohlgemerkt - zu dem es in der C of E immer noch keine Abweichung von den gemeinsamen Beschlüssen der Lambeth Conference gibt. Formell gelten die Beschlüsse in England noch immer.

Korrekt wäre also gewesen, die Lösung auf der Ebene der 'Instruments of Unity' zu suchen (Lambeth Conference, Primates' Meeting, Anglican Consultative Council). Fakt ist aber, dass die GAFCONiten das nur sehr halbherzig versucht haben. Vielmehr war der Eindruck, dass man sich diesen Treffen mehr und mehr entzogen hat, weil man sein eigenes Ding drehen wollte. Und das zieht man jetzt durch, weil man an einer wirklichen Einigung gar kein Interesse hat.

Richtig ist: Die Amerikaner sind damals vorgeprescht. Daraus leiten die GAFCONiten aber einen Freibrief für jegliche Art von Einmischung ab, auch in Kirchenprovinzen, die überhaupt nicht in der gleichen Weise vorgeprescht sind (etwa England). Das ist wirklich zu verurteilen. Selbt wohlmeinende Beobachter können das nicht mehr als bloße 'Reaktion' verbuchen. Hier wird aktiv an einer Spaltung gearbeitet.


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BeitragVerfasst: 3. Juli 2017 03:16 
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techAdmin

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Péter hat geschrieben:
In dieser gespannten Situation kann man leider auch sehr unglücklich formulierte Sätze hören und lesen. Und beide Seiten haben ihre hasserfüllten Extremisten.


Ja. Das ist bedauerlich. Allerdings ist der Ausdruck "ich habe kein Verständnis dafür" noch sehr wenig hart für das, wie es sich mir darstellt.

Ich habe keine Probleme damit, wenn jemand aus Gewissensgründen seine Kirche verlässt. Das habe ich auch getan. Ich habe auch keine Probleme damit, wenn man sich als neue Kirche organisiert, weil man anders nicht die Gruppe definieren kann (das traf auf die AKKD in ihrer Gründungsphase zu - wem hätte sie sich anschließen sollen).

Was ich aber absolut nicht ausstehen kann, ist eine ganz offensive Proselytenmacherei, ein Herumwildern in fremden christlichen Gemeinschaften. Deswegen finde ich die unierten Kirchen im ostkirchlichen Raum so unmöglich, deswegen kann ich manche Freikirchen, die mit Schaum vor dem Mund davon reden, wie die etablierten Kirchen "abgefallen" wären, auch nicht ausstehen (wobei das langsam ausstirbt).

Wenn man aber eine neue Kirche gründet und dann gleich für andere Regionen einen "Missionsbischof" einsetzt und das damit begründet, man würde eine Kirche zur Verfügung stellen, die eine wirkliche Kirche Christi sei, die sich auch die Bibel zur Leitlinie nimmt (nochmals: "Katholisch" heißt nicht "verbal bibeltreu"), dann macht man nichts anderes als den Versuch, die andere Kirche schlechtzureden und Leute herauszulösen.

Das kann man machen - kein Zweifel. Das ist auch erlaubt. Nur: "Anglikaner" im Sinne der Zugehörigkeit zur anglikanischen Gemeinschaft ist man nicht mehr. Man hat sich außerhalb der bisherigen Kirchengemeinschaft gesetzt.


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BeitragVerfasst: 3. Juli 2017 08:37 
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JHNewman hat geschrieben:
Péter hat geschrieben:
Um klar zu sein: der Konsens innerhalb der Anglican Communion war - und ist - , dass die Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich ist. Die amerikanische Episkopalkirche, die kanadische AK und die schottische Episkopalkirche haben dagegen verstoßen. Wer hat hier dann die Spalterei verursacht? Interessanterweise stört diese Tatsache unsere Foranten nicht besonders. Nur die Reaktion auf den Verstoß...


Die Chronologie spielt eine Rolle. Der Bruch der ECUSA mit dem geltenden Konsens der AC geschah 2004. Seitdem gab es zahlreiche Versuche, diesen Bruch zu heilen. Die 'Instruments of Unity' der AC versuchten auf verschiedenen Ebenen, mit der Situation umzugehen. Die GAFCONiten zogen es aber vor, sich in größerer Zahl diesen Einigungsbemühungen zu entziehen und statt an der Lambeth Conference etwa teilzunehmen, eigene Konferenzen abzuhalten, auf denen man den Ausbau von Parallelstrukturen betrieb. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem weder die Church of England noch der Erzbischof von Canterbury irgendwelche Schritte unternommen hatten, den gemeinsamen Konsens von Lambeth 10 zu verlassen. Rowan Williams hat sogar ziemlich auf die Bremse getreten, um die Einheit der AC nicht zu gefährden (vgl. Fall Geoffrey John). Selbst wenn die GAFCONiten die Gemeinschaft mit der ECUSA hätten aufkündigen wollen, hätten sie immerhin mit Canterbury zusammentreffen können, um nach eine Lösung zu suchen....

Stattdessen zeigte sich im Laufe der Ereignisse immer mehr, dass die GAFCONiten die Auflösung des Konsens bezgl. der Ehe gar nicht abwarten wollten, bevor sie selbst aktiv wurden. Der erste europäische Missionsbischof aus dem Lager der GAFCONiten in Newcastle wurde in diesem Jahr geweiht. In England, nicht in Schottland, Kanada oder den USA. Zu einem Zeitpunkt - wohlgemerkt - zu dem es in der C of E immer noch keine Abweichung von den gemeinsamen Beschlüssen der Lambeth Conference gibt. Formell gelten die Beschlüsse in England noch immer.

Korrekt wäre also gewesen, die Lösung auf der Ebene der 'Instruments of Unity' zu suchen (Lambeth Conference, Primates' Meeting, Anglican Consultative Council). Fakt ist aber, dass die GAFCONiten das nur sehr halbherzig versucht haben. Vielmehr war der Eindruck, dass man sich diesen Treffen mehr und mehr entzogen hat, weil man sein eigenes Ding drehen wollte. Und das zieht man jetzt durch, weil man an einer wirklichen Einigung gar kein Interesse hat.

Richtig ist: Die Amerikaner sind damals vorgeprescht. Daraus leiten die GAFCONiten aber einen Freibrief für jegliche Art von Einmischung ab, auch in Kirchenprovinzen, die überhaupt nicht in der gleichen Weise vorgeprescht sind (etwa England). Das ist wirklich zu verurteilen. Selbt wohlmeinende Beobachter können das nicht mehr als bloße 'Reaktion' verbuchen. Hier wird aktiv an einer Spaltung gearbeitet.


Ja, die Chronologie spielt eine sehr große Rolle. Seit 13 Jahren ist der Anglican Communion nicht gelungen - trotz zahlreicher Versuche -, die amerikanische Episkopalkirche zu "disziplinieren", sie zu überzeugen. Ganz im Gegenteil. TEC wurde immer radikaler, am Ende hat sie die kirchliche Ehe für homosexuelle Leute eingeführt und hat auch "Mitstreiterinnen" gefunden, da diese "Ehe" auch von der kanadischen angl. Kirche und der schottischen Episkopalkirche eingeführt wurde. Es ist kein Wunder, dass das Maß für die Gafcon voll ist.

Was übrigens das hier so oft erwähnte Kirchenrecht betrifft: rein kirchenrechtlich gesehen gibt es hier kein "border-crossing". Die ACNA ist ja keine Gliedkirche der Anglican Communion. Erzbischof Welbys Protest ist also - zumindest im technischen Sinne - unbegründet. Oder betrachtet er die ACNA trotzdem als Teil der AC? Wie auch immer - seine Argumente sind problematisch (wenn man das Kirchenrecht so stark betont).

Die GAFCON hat die Bischofsweihe in Newcastle gar nicht untersützt. Das war eine örtliche Initiative.


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BeitragVerfasst: 3. Juli 2017 09:09 
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John Der Echte

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Péter hat geschrieben:
Ja, die Chronologie spielt eine sehr große Rolle. Seit 13 Jahren ist der Anglican Communion nicht gelungen - trotz zahlreicher Versuche -, die amerikanische Episkopalkirche zu "disziplinieren", sie zu überzeugen. Ganz im Gegenteil. TEC wurde immer radikaler, am Ende hat sie die kirchliche Ehe für homosexuelle Leute eingeführt und hat auch "Mitstreiterinnen" gefunden, da diese "Ehe" auch von der kanadischen angl. Kirche und der schottischen Episkopalkirche eingeführt wurde. Es ist kein Wunder, dass das Maß für die Gafcon voll ist.


'Disziplinierung' ist nicht die einzig mögliche Antwort auf die Krise, die die TEC (damals noch ECUSA) durch die Weihe von Gene Robinson und weiterführende Schritte ausgelöst hat. Die Antwort der GAFCONisten ist nicht die einzig mögliche und auch gar nicht die einzig logische Antwort. Es gab zahlreiche Versuche zu Beginn, die TEC zu einem Einlenken zu bewegen oder wenigstens zu einem Moratorium. Man hätte ebenso gemeinsam nach Wegen suchen können, wie eine AC aussehen könnte, die in dieser Frage unterschiedliche Haltungen vertritt. Vor allem: Der Erzbischof von Canterbury (seinerzeit noch Rowan Williams) hat alles getan, was ihm möglich war, um die Gemeinschaft zu retten und nach solchen Wegen zu suchen. Gerade ihm sind von GAFCON immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Man hat ihn nicht unterstützt, sondern weiter ein eigenes Süppchen gekocht. Und das, obwohl er keine der Neuerungen der TEC oder der Kanadier unterstützt hat und diese Änderungen auch in England nicht eingeführt wurden. Man hätte verstehen können, wenn die GAFCONiten die Communion mit der TEC und den Kanadiern aufgekündigt hätten. Stattdessen offenbarte sich aber immer mehr ein aggressiver Kurs gegen die Anglican Communion und ihre 'instruments of unity' überhaupt und gegen einzelne Gliedkirchen, wie etwa die Church of England im besonderen. Logisch wäre auch gewesen - wie Lothar schreibt - wenn diese Menschen die AC verlassen hätten. Stattdessen fahren sie eine Doppelstrategie, bei der sie auf der einen Seite in der Anglican Communion bleiben, sie aber gleichzeitig von innen her zerstören.


Zitat:
Was übrigens das hier so oft erwähnte Kirchenrecht betrifft: rein kirchenrechtlich gesehen gibt es hier kein "border-crossing". Die ACNA ist ja keine Gliedkirche der Anglican Communion. Erzbischof Welbys Protest ist also - zumindest im technischen Sinne - unbegründet. Oder betrachtet er die ACNA trotzdem als Teil der AC? Wie auch immer - seine Argumente sind problematisch (wenn man das Kirchenrecht so stark betont).


Eine 'Mission', deren offensichtliches und vordringliches Ziel es ist, bestehende Gemeinden an sich zu ziehen und der C of E Kirchenglieder abspenstig zu machen, ist ein aggressiver Akt. Es geht vor allem darum, Menschen aus der Jurisdiktion der C of E zu gewinnen. Und die ACNA muss sich schon entscheiden: Wenn sie - wie sie betont - ja in Gemeinschaft mit Canterbury sein will, dann muss sie solche Akte unterlassen. Wenn sie solche unternimmt, dann kann sie nicht erwarten, dass man sie in Canterbury mit offenen Armen aufnimmt. Überhaupt ist die Weihe eines Priesters der C of E zum Bischof ohne die Zustimmung des örtlichen Bischofs ein kirchenrechtlich unmöglicher Akt.

Zitat:
Die GAFCON hat die Bischofsweihe in Newcastle gar nicht untersützt. Das war eine örtliche Initiative.

[/quote]

Ja, offiziell hat sie diese nicht unterstützt, aber es ist ganz klar, dass sie vor dem Hintergrund der GAFCON-Aktivitäten stattfand. Da ist jemand aus den eigenen Reihen vorgeprescht, ohne das mit den Oberen der GAFCON abzusprechen. Ich denke, wir werden mehr solcher Unordentlichkeiten erleben. Denn die Geister, die GAFCON rief, werden sie nicht völlig bändigen können. Wenn einmal Menschen anfangen, mit selbsternannter Autorität bestehende kirchliche Hiearchien zu zerstören, dann motiviert das andere, es ihnen gleichzutun.


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BeitragVerfasst: 3. Juli 2017 09:20 
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Lothar1962 hat geschrieben:
Wenn man aber eine neue Kirche gründet und dann gleich für andere Regionen einen "Missionsbischof" einsetzt und das damit begründet, man würde eine Kirche zur Verfügung stellen, die eine wirkliche Kirche Christi sei, die sich auch die Bibel zur Leitlinie nimmt (nochmals: "Katholisch" heißt nicht "verbal bibeltreu"), dann macht man nichts anderes als den Versuch, die andere Kirche schlechtzureden und Leute herauszulösen.

Das kann man machen - kein Zweifel. Das ist auch erlaubt. Nur: "Anglikaner" im Sinne der Zugehörigkeit zur anglikanischen Gemeinschaft ist man nicht mehr. Man hat sich außerhalb der bisherigen Kirchengemeinschaft gesetzt.


Die GAFCON vertritt die große Mehrheit der Anglikaner der Welt. Sprichst Du also Zehnmillionen von Anglikanern und Anglikanerinnen das "Anglikanersein" ab (die meisten davon wissen vermutlich kaum etwas über diesen "Kirchenkampf"), nur weil Dir die Einstellung des Episkopats nicht gefällt (und während Du empörend findest, dass man den liberalen Kirchen das "Christsein" abspreche)?

Und doch: die GAFCON-Kirchen sind offizielle Mitglieder der Anglican Communion. Außerhalb der bisherigen Kirchengemeinschaft haben sich höchstens die ultraliberalen Kirchen gesetzt, die mit dem anglikanischen Konsens und dem christlichen Ehebegriff gebrochen haben (ich will aber das "Anglikanersein" nicht einmal ihnen absprechen und bestreite nicht, dass ihre Absichten positiv waren - ich meine nur, dass sie viel zu weit gegangen sind und einen riesigen Fehler begangen haben).

Niemand hat jetzt eine neue Kirche gegründet, die Mission gehört zur ACNA (die zwar eine relativ neue Kirche ist, doch eine Art Notkirche).


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