Mensch und Kirche

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 Betreff des Beitrags: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 14. August 2011 18:55 
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Die britische und die deutsche Gesellschaft unterscheiden sich mentalitätsmäßig stark voneinander.

In Deutschland möchte man sich bei Konflikten auf einen Punkt einigen. Man diskutiert so lange, bis man einen Kompromiss gefunden hat, dem alle, wenn auch mit Bauchschmerzen auf beiden Seiten, zustimmen können. Dann ist man sich einig und es herrscht "Lindenstraße"-Atmosphäre. Dann kann man Autoaufkleber herausgeben mit dem Aufdruck "Wir in NRW" oder ähnlich. Der Vorteil dieses Systems ist es, dass größere Konflikte und Flügelkämpfe, auch arbeitspolitische, weitgehend vermieden werden können, jedenfalls im Vergleich zu Nachbarländern. Der Nachteil ist der, dass ganz Deutschland plötzlich nach rechts oder nach links kippen kann, was wir unter den Nazis ja auch in erschreckender Weise erlebt haben.

In England dagegen wird die Gesellschaft durch eine Balance zwischen den gegensätzlichen Parteien am Funktionieren gehalten. Die englische Gesellschaft hat zwei große Flügel gebildet, die sich verbal bekämpfen und auch oft beleidigen. Dies führt zwar zu stärkeren Flügelkämpfen als in Deutschland, hat aber den Vorteil, dass die Gesamtgesellschaft nicht so schnell nach links oder rechts kippen kann.

Übertragen auf Anglikaner und Altkatholiken bedeutet dies, dass die Altkatholiken eben sehr deutsch denken. Man diskutiert auf Synoden so lange miteinander, bis ein Kompromiss gefunden wurde, dem alle zustimmen können. Dann aber MUSS dieser Kompromiss von allen verteidigt werden und wehe, es gibt davon abweichende Meinungen! Man weiss dann SEHR genau, was zu glauben ist und was nicht....

Die Anglikaner dagegen denken englisch: Sie wollen nicht alle MItglieder ihrer Kirche auf einen Glauben festlegen, sondern Toleranz ist gefragt! Deswegen ist es möglich, dass es in EINER Kirchengemeinschaft Positionen von rechts bis links, von evangelikal bis hochkirchlich-katholisch gibt. Kaum einer aber möchte dies ändern. Man beschimpft sich, aber trennen möchte man sich eigentlich nicht (von kleinen Ausnahmen abgesehen). Dieser Gegensatz gehört zur Identität der Anglikanischen Kirche wie das theologisch Auf-Linie-sein zur Identität der Altkatholiken gehört.

Man muss sich das auch nicht gegenseitig vorwerfen. Diese unterschiedlichen Mentalitäten sind historisch gewachen. Man sollte sie nur kennen, wenn man miteinder spricht, sonst redet man aneinander vorbei.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 14. August 2011 23:37 
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John Der Echte

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Aldo1 hat geschrieben:
Man muss sich das auch nicht gegenseitig vorwerfen.


Dann wäre es doch schön, wenn auch Du damit aufhören würdest.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 07:43 
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Mentalistäsunterschiede: Ich komme gerade von eiern deutsch-britischen Hochzeit (neben Weißrussland, der Schweiz, Ungarn, Äthiopien, Dänemark, USA, Ekuador, war Norwegen durch Freunde und auch verwandtschaftlich stark vertretenen). Mein neuer, ganz wunderbarer Schwiegersohn ist väterlicherseits englisch. Die Verwandtschaft aus London war auch da. Mein Vater ehem. Englischlehrer, mein Sohn lebte und arbeitete und studierte sieben Jahre in England, Bornemouth und Oxford bildeten sowieso eine Brücke. Es kommt immer darauf an. Was auffiel: beide "Seiten", die englische wie die deutsche, waren besonders selbstkritisch gegenüber den eigene Verhältnissen und man lässt da keine Verklärungen von außen zu. Es harmonierte auf der Hochzeit ganz ohne künstliche Aufregungen, ganz wunderbar und barrierelos. Die Engländer versprachen - und dies ganz aus dem Herzen - künftig an jeder großen Familienzusammenkunft teilzunehmen. Ich bin ganz erfüllt von der Hochzeit und dem mittelbaren Zusammenschluss der beiden Familien. Die Engländer waren besonders und mit ganz gezielten Fragen an der Hochzeitsikone ("Die heilige Familie") interessiert (z.B. Bedeutung, wie und von wem und nach welchen "Gesetzmäßigkeiten" gemalt und wie und von wem geweiht usw.). Wir repräsentierten - mit uns und auch mit der Ikone - so zu sagen den ganzen christlichen Osten.

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Mariae vitam imitantes


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 11:49 
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Beiträge: 568
Ich habe nach etlichen Umzügen innerhalb Deutschlands und zahlreichen Auslandsaufenthalten immer noch Mühe zu glauben, dass so etwas wie eine "deutsche Mentalität" überhaupt existiert. Jedenfalls scheinen mir die Unterschiede zwischen Rheinländern und Preußen, Hessen und Bayern usw. oft wesentlich größer (und vor allem betonter) zu sein als die zwischen Deutschen und Angehörigen anderer europäischer Nationen.

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Die Brunnen, die man zur Zeit seines Vaters Abraham gegraben hatte und die die Philister nach dem Tod Abrahams zugeschüttet hatten, ließ Isaak wieder aufgraben und gab ihnen dieselben Namen, die ihnen sein Vater gegeben hatte. (Gen 26, 18)


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 12:42 
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John Der Echte

Registriert: 6. Oktober 2005 15:33
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Dieser Meinung bin ich nach nun bald sechs Jahren im Ausland nicht mehr, lieber Pirx. Allerdings scheinen die Mentalitätsunterschiede im dt. Binnenverkehr sicher größer als von außen betrachtet...

Aldos Vergleich halte ich trotzdem für falsch - aus zwei Gründen:
1. Die viel beschworene anglikanische Weite oder 'Comprehensiveness' ist ja keineswegs das Ergebnis einer englischen oder britischen Mentalität, sondern politischer und historischer Entwicklungen. Bei dem, was sich als Kirche von England nach der Trennung von Rom herausbildete, war eigentlich gar nichts besonders 'englisch'. Es handelte sich letztlich um einen politischen Kompromiß, in dem die Flügel der Kirche lernen mußten, miteinander zu leben. Oftmals ging dies nur, weil man sich gegenseitig weitmöglichst ignorierte.

2. Die Altkatholiken bilden auch nicht einmal im Ansatz eine Volkskirche in Deutschland. Insofern halte ich es für vollkommen verfehlt, spezifische Charakteristika der Entscheidungfindung im altkatholischen Bistum aus einer deutschen Mentatlität ableiten zu wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 14:14 
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Registriert: 2. Februar 2007 17:22
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JHNewman hat geschrieben:
Dieser Meinung bin ich nach nun bald sechs Jahren im Ausland nicht mehr, lieber Pirx. Allerdings scheinen die Mentalitätsunterschiede im dt. Binnenverkehr sicher größer als von außen betrachtet...

Aldos Vergleich halte ich trotzdem für falsch - aus zwei Gründen:
1. Die viel beschworene anglikanische Weite oder 'Comprehensiveness' ist ja keineswegs das Ergebnis einer englischen oder britischen Mentalität, sondern politischer und historischer Entwicklungen. Bei dem, was sich als Kirche von England nach der Trennung von Rom herausbildete, war eigentlich gar nichts besonders 'englisch'. Es handelte sich letztlich um einen politischen Kompromiß, in dem die Flügel der Kirche lernen mußten, miteinander zu leben. Oftmals ging dies nur, weil man sich gegenseitig weitmöglichst ignorierte.

2. Die Altkatholiken bilden auch nicht einmal im Ansatz eine Volkskirche in Deutschland. Insofern halte ich es für vollkommen verfehlt, spezifische Charakteristika der Entscheidungfindung im altkatholischen Bistum aus einer deutschen Mentatlität ableiten zu wollen.




zu 1: Die britische Mentalität kann man nicht nur bei den Anglikanern beobachten, sondern auch in anderen britischen Religionsgemeinschaften (außer vielleicht der RKK, die hierarchisch von Rom aus regiert wird). Es gibt sie bei den englischen Methodisten, wo ebenfalls Evangelikale und hochkirchliche Fügel nebeneinander her bestehen. Es gibt sie bei der United Reformed Church und bei den Baptisten. Darüber hinaus konnte Gemeinschaften wie die Unitarier und Quäker mit ihrer großen Weite nur in einem angelsächsischen Milieu entstehen bzw sich weiter herausbilden.

zu 2: In Deutschland ist die Entscheidungsfindung in der AKK nichts anders als in den evangelischen Landeskirchen.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 14:46 
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John Der Echte

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Weder der Unitarismus noch der Spiritualismus sind britische Phänomene, beide sind ebenfalls nicht in Großbritannien entstanden (das trifft allenfalls auf die Quäker als Gemeinschaft zu, aber sie lassen sich recht einfach in den breiteren Strom der spiritualistischen Gemeinschaften einordnen).

Richtig ist sicher, daß Gemeinschaften wie Unitarier und Quäker sich in England unbehelligter betätigen konnten als in anderen europäischen Ländern und damit eine größere Stabilität entwickeln konnten. Dies hatte aber vor allem politische Gründe und keine mentalitätsbedingten.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 15:17 
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JHNewman hat geschrieben:
Weder der Unitarismus noch der Spiritualismus sind britische Phänomene, beide sind ebenfalls nicht in Großbritannien entstanden (das trifft allenfalls auf die Quäker als Gemeinschaft zu, aber sie lassen sich recht einfach in den breiteren Strom der spiritualistischen Gemeinschaften einordnen).

Richtig ist sicher, daß Gemeinschaften wie Unitarier und Quäker sich in England unbehelligter betätigen konnten als in anderen europäischen Ländern und damit eine größere Stabilität entwickeln konnten. Dies hatte aber vor allem politische Gründe und keine mentalitätsbedingten.



Ich habe mich lange mit den Unitariern befasst!

Richtig ist, dass sie in Siebenbürgen entstanden sind. Dort -und in Ungarn- waren und sind sie noch heute eine eher konservative Gemeinschaft, die sich nur durch eine unterschiedliche Auffassung von der Trinität von den anderen Kirchen unterscheiden (in den letzten Jahren, vor allem seit Einführung des Internets ist bei jungen Theologen eine Annäherung an liberaleres Gedankengut feststellbar, was aber nicht von den konservativen Gemeinden mitgetragen wird.)

Erst in England und noch mehr in den USA wurden die Unitarer das, was sie heute sind: eine nonkonformistische, liberale Gemeinschaft, die über das Christentum hinaus gewachsen ist.

Unitarier und Quäker zählt man zu den sogenannten Nonkonformisten, die vor allem im Nordwesten Englands ihre Religion frei ausüben durften, was in Deutschland aufgrund der Herrschaft der evangelischen Landesfürsten nicht möglich war.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 16:59 
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Leider sind wir schon wieder total :ot2: ...
Aldo hat geschrieben:
...wurden die Unitarer das, was sie heute sind: eine nonkonformistische, liberale Gemeinschaft, die über das Christentum hinaus gewachsen ist.

Eine Frage: Bezogen auf was sind Unitarier nonkonformistisch? Bezogen auf den gesellschaftlichen Mainstream? Bezogen auf Christen? Oder worauf genau?

Noch eine Frage: Ich hatte mal Kontakt zu einer unitarischen Gemeinde (Frankfurt, Konstablerwache aus der S-Bahn raus, in Richtung Main runtergehen, letzte Straße links vor dem Mainufer, da isse dann). Dort gewann ich den Eindruck, dass man sich nicht mehr als Teil der Christenheit betrachtet, sondern als eine aus dem Christentum -- in diesem speziellen Fall: aus einer "deutsch-katholischen Gemeinde" des 19. Jahrhunderts -- hervorgegangene eigenständige Religion.

Die Webseite der Gemeinde ist http://www.unitarier.net/

Wie siehst Du das? Sind Unitarier nun Christen oder nicht? (Ich frage deshalb, weil in einem anderen Thread die These gestreift wurde, dass der Islam im Kern vielleicht auch eine unitarische Abspaltung vom Christentum darstellt, was mir beim Blick in eine deutsche Koranübersetzung durchaus nicht unplausibel erscheint.)

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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 18:08 
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Registriert: 2. Februar 2007 17:22
Beiträge: 1401
Pirx hat geschrieben:
Leider sind wir schon wieder total :ot2: ...
Aldo hat geschrieben:
...wurden die Unitarer das, was sie heute sind: eine nonkonformistische, liberale Gemeinschaft, die über das Christentum hinaus gewachsen ist.

Eine Frage: Bezogen auf was sind Unitarier nonkonformistisch? Bezogen auf den gesellschaftlichen Mainstream? Bezogen auf Christen? Oder worauf genau?

Noch eine Frage: Ich hatte mal Kontakt zu einer unitarischen Gemeinde (Frankfurt, Konstablerwache aus der S-Bahn raus, in Richtung Main runtergehen, letzte Straße links vor dem Mainufer, da isse dann). Dort gewann ich den Eindruck, dass man sich nicht mehr als Teil der Christenheit betrachtet, sondern als eine aus dem Christentum -- in diesem speziellen Fall: aus einer "deutsch-katholischen Gemeinde" des 19. Jahrhunderts -- hervorgegangene eigenständige Religion.

Die Webseite der Gemeinde ist http://www.unitarier.net/

Wie siehst Du das? Sind Unitarier nun Christen oder nicht? (Ich frage deshalb, weil in einem anderen Thread die These gestreift wurde, dass der Islam im Kern vielleicht auch eine unitarische Abspaltung vom Christentum darstellt, was mir beim Blick in eine deutsche Koranübersetzung durchaus nicht unplausibel erscheint.)




"Sind Unitarier nun Christen oder nicht?"

Diese Frage ist sehr deutsch: entweder - oder! Engländer sind eher in der Lage, das Sowohl-als auch zu sehen.

Unitarier sind vor allem eines: Sie sind Individualisten und nur ihrem eigenen Gewissen verantwortlich.

Was die Gemeinde in Frankfurt betrifft, so hat sie christliche/katholische Wurzeln. Es geht alles in die Richtung Freies Christentum, die ja im Protestantismus entstanden ist (sh. auch BUnd für Freies Christentum).

Wann ist eine Gemeinde christlich? Wenn sie die Trinität anerkennt oder wenn sie versucht, Jesus nachzufolgen, ihn als ihr großes Vorbild sieht?

In Deutschland gibt es in diesem Sinne wohl nur zwei "christliche" unitarische Gemeinden, nämlich die in Frankfurt und die in Berlin (Unitarische KIrche Berlin).

Ich habe einmal die Kirche in Berlin besucht und fühlte mich in einen lutherischen Gottesdienst versetzt, also mit Kerzen, Gewändern, Wechselgesängen, Gebeten, Predigt und Schriftlesung. Alls mit hohem Niveau!

Es bleibt aber dabei: Jeder Unitarier ist in seinem Glauben NUR seinem Gewissen verpflichtet. Das ist für viele Deutsche schwer auszuhalten. Engländer haben da, wie gesagt, weniger Probleme mit.

Die übrigen Unitarier in Deutschland (Unitarische Religionsgemeinschaft) sind keine Christen mehr und eher eine Mischung aus Humanisten und Pantheisten.

Sie sind also für Menschen, denen der Humanismus zu wenig, der Theismus aber schon zu viel ist.....


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 18:19 
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John Der Echte

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Aldo1 hat geschrieben:
Diese Frage ist sehr deutsch: entweder - oder! Engländer sind eher in der Lage, das Sowohl-als auch zu sehen.


Aldo1 hat geschrieben:
Die britische und die deutsche Gesellschaft unterscheiden sich mentalitätsmäßig stark voneinander.
Man muss sich das auch nicht gegenseitig vorwerfen.


Wie ich sehe, bist vor allem Du es, der den anderen ständig vorhält, zu 'deutsch' zu sein. :roll:


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 19:41 
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JHNewman hat geschrieben:
Aldo1 hat geschrieben:
Diese Frage ist sehr deutsch: entweder - oder! Engländer sind eher in der Lage, das Sowohl-als auch zu sehen.


Aldo1 hat geschrieben:
Die britische und die deutsche Gesellschaft unterscheiden sich mentalitätsmäßig stark voneinander.
Man muss sich das auch nicht gegenseitig vorwerfen.


Wie ich sehe, bist vor allem Du es, der den anderen ständig vorhält, zu 'deutsch' zu sein. :roll:



Nein, ich halte es keinem vor. Ich greife keinen an, sondern bemühe mich, diese Fragen ehrlich zu beantworten.

Dieser Faden dient dazu, ein Bewusstsein zu schaffen für die unterschiedlichen Mentalitäten in Deutschland und England und damit auch zwischen Altkatholiken und Anglikanern.


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 20:52 
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Man sollte diese tatsächlich existierenden gravierenden Mentalitätsunterschiede zwischen den europäischen Völkern nicht unterschätzen. Das habe ich deutlich erkannt, als ich in letzter Zeit gelegentlich orthodoxe und natürlich auch anglikanische Gottesdienste besucht habe:

Während wir als Deutsche stets etwas steif, ordentlich und immer pünktlich unsere Heilige Messe feiern, erscheint beispielsweise der mentalitätsmäßig wesentlich lockerere russisch Orthodoxe zu seiner Göttlichen Liturgie selten pünktlich; er kommt irgendwann dazu, wenn es ihm gerade passt. Häufig fällt er beim Betreten der Kirche noch durch einen leicht schwankenden Gang auf, vor allem dann, wenn er gerade am Vortag noch im Kreise seiner gläubigen Genossen einen der zahlreichen hohen Feiertage wie zum Beispiel den "Internationalen Tag des Traktoristen" begangen hat. Wenn endlich auch der berühmt-berüchtigte und hier im Forum schon mehrfach durchdiskutierte mercedesfahrende Pope in der Kirche erscheint, beginnt der Russe zu den fröhlichen Klängen des Balalaika-Orchesters einen flotten Kasatschok um den Altar zu tanzen, bei dem die abstehenden Ohrenklappen seiner Pelzmütze lustig auf und ab wippen und die auf den Rücken geschnallte AK-47 interessante Klappergeräusche abgibt.

Gravierende Meinungsverschiedenheiten im Pfarrgemeinderat oder auf Synoden kennt der Russe kaum, und falls ausnahmsweise doch einmal, dann legt er sie zeitnah und in fröhlicher Runde bei Wodka, Schwarzbrot und Salz bei. Dank dieses fortschrittlichen Mediationsverfahrens werden unnötige Streitereien auf ein Mindestmaß reduziert. Lästige Fragen nach Konsens und Toleranz erledigen sich fast von selbst, weil sich spätestens nach einer Stunde sowieso keiner mehr erinnert, welches eigentlich das strittige Thema war.

Auch der Anglikaner ist leider nicht so pünktlich wie wir korrekten Deutschen, denn auch er erscheint oft etwas später zu seinem Service. Das habe ich schon vor vielen Jahren in einer Doku-Sendung über die anglikanische Kirche gesehen. (Die Folge hieß "Mr.Bean attends a church service" oder so ähnlich.) Wie wir Deutschen selbstverständlich schon längst erkannt haben, liegt das daran, dass der Anglikaner als solcher mit seiner typischen Insulanermentalität unbeirrbar an einer okkulten Lehre festhält, wonach "links" "right" bedeutet und "rechts" "left". Deshalb fährt er meistens irgendwie "left", und zwar tragischerweise auch dann, wenn ein ordentliches deutsches Navigationsgerät beispielsweise "rechts" sagt, und er verfährt sich deshalb regelmäßig auch sonntags, wenn er zur Kirche will. Während aber diese mentalitätsbedingte Form der Orientierungslosigkeit auf der Heimatinsel des Anglikaners nahezu folgenlos bleibt -- er kann sich dort eigentlich nicht allzu weit verfahren, denn egal welche Richtung er einschlägt, steht er mit seinem Auto bald wieder vor irgend so einem Meer --, kann eine Irrfahrt auf dem Kontinent zu einem wesentlich zeitraubenderen Unterfangen geraten.

"Yea" oder "Nay": Echt kontroverse Fragen muss auch der Anglikaner mit seinesgleichen nicht so penibel ausdiskutieren wie wir korrekten Deutschen, denn ihm stehen praktischerweise in seiner Kirche mehrere Geschmacksrichtungen zur Verfügung, von denen er sich einfach je nach persönlichem Gusto diejenige aussucht, die für ihn the most delicious ist. Auch das halte ich für ein geniales Konzept, das bei konsequenter Anwendung jegliches unnütze Fragen nach Konsens oder Toleranz eigentlich überflüssig macht.

Verständnis für die Mentalitäten anderer Völker ist ein unverzichtbares Element der Ökumene.

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Die Brunnen, die man zur Zeit seines Vaters Abraham gegraben hatte und die die Philister nach dem Tod Abrahams zugeschüttet hatten, ließ Isaak wieder aufgraben und gab ihnen dieselben Namen, die ihnen sein Vater gegeben hatte. (Gen 26, 18)


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 Betreff des Beitrags: Re: unterschiedliche Mentalitäten
BeitragVerfasst: 15. August 2011 20:59 
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Registriert: 2. Februar 2007 17:22
Beiträge: 1401
Pirx hat geschrieben:
Man sollte diese tatsächlich existierenden gravierenden Mentalitätsunterschiede zwischen den europäischen Völkern nicht unterschätzen. Das habe ich deutlich erkannt, als ich in letzter Zeit gelegentlich orthodoxe und natürlich auch anglikanische Gottesdienste besucht habe:

Während wir als Deutsche stets etwas steif, ordentlich und immer pünktlich unsere Heilige Messe feiern, erscheint beispielsweise der mentalitätsmäßig wesentlich lockerere russisch Orthodoxe zu seiner Göttlichen Liturgie selten pünktlich; er kommt irgendwann dazu, wenn es ihm gerade passt. Häufig fällt er beim Betreten der Kirche noch durch einen leicht schwankenden Gang auf, vor allem dann, wenn er gerade am Vortag noch im Kreise seiner gläubigen Genossen einen der zahlreichen hohen Feiertage wie zum Beispiel den "Internationalen Tag des Traktoristen" begangen hat. Wenn endlich auch der berühmt-berüchtigte und hier im Forum schon mehrfach durchdiskutierte mercedesfahrende Pope in der Kirche erscheint, beginnt der Russe zu den fröhlichen Klängen des Balalaika-Orchesters einen flotten Kasatschok um den Altar zu tanzen, bei dem die abstehenden Ohrenklappen seiner Pelzmütze lustig auf und ab wippen und die auf den Rücken geschnallte AK-47 interessante Klappergeräusche abgibt.

Gravierende Meinungsverschiedenheiten im Pfarrgemeinderat oder auf Synoden kennt der Russe kaum, und falls ausnahmsweise doch einmal, dann legt er sie zeitnah und in fröhlicher Runde bei Wodka, Schwarzbrot und Salz bei. Dank dieses fortschrittlichen Mediationsverfahrens werden unnötige Streitereien auf ein Mindestmaß reduziert. Lästige Fragen nach Konsens und Toleranz erledigen sich fast von selbst, weil sich spätestens nach einer Stunde sowieso keiner mehr erinnert, welches eigentlich das strittige Thema war.

Auch der Anglikaner ist leider nicht so pünktlich wie wir korrekten Deutschen, denn auch er erscheint oft etwas später zu seinem Service. Das habe ich schon vor vielen Jahren in einer Doku-Sendung über die anglikanische Kirche gesehen. (Die Folge hieß "Mr.Bean attends a church service" oder so ähnlich.) Wie wir Deutschen selbstverständlich schon längst erkannt haben, liegt das daran, dass der Anglikaner als solcher mit seiner typischen Insulanermentalität unbeirrbar an einer okkulten Lehre festhält, wonach "links" "right" bedeutet und "rechts" "left". Deshalb fährt er meistens irgendwie "left", und zwar tragischerweise auch dann, wenn ein ordentliches deutsches Navigationsgerät beispielsweise "rechts" sagt, und er verfährt sich deshalb regelmäßig auch sonntags, wenn er zur Kirche will. Während aber diese mentalitätsbedingte Form der Orientierungslosigkeit auf der Heimatinsel des Anglikaners nahezu folgenlos bleibt -- er kann sich dort eigentlich nicht allzu weit verfahren, denn egal welche Richtung er einschlägt, steht er mit seinem Auto bald wieder vor irgend so einem Meer --, kann eine Irrfahrt auf dem Kontinent zu einem wesentlich zeitraubenderen Unterfangen geraten.

"Yea" oder "Nay": Echt kontroverse Fragen muss auch der Anglikaner mit seinesgleichen nicht so penibel ausdiskutieren wie wir korrekten Deutschen, denn ihm stehen praktischerweise in seiner Kirche mehrere Geschmacksrichtungen zur Verfügung, von denen er sich einfach je nach persönlichem Gusto diejenige aussucht, die für ihn the most delicious ist. Auch das halte ich für ein geniales Konzept, das bei konsequenter Anwendung jegliches unnütze Fragen nach Konsens oder Toleranz eigentlich überflüssig macht.

Verständnis für die Mentalitäten anderer Völker ist ein unverzichtbares Element der Ökumene.



Witzig geschrieben! Ich stelle mir gerade die am Altar tanzenden Orthodoxen mit wippenden Ohrenklappen vor.... :de


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